Um den CO2-Fußabdruck von Gebäuden zu reduzieren, kommen zunehmend nachwachsende Rohstoffe wie Holz und Naturfaserprodukte als Baustoffe zum Einsatz. Aufgrund ihrer biologischen Herkunft können diese Materialien jedoch unter bestimmten Feuchte- und Temperaturbedingungen von Fäulnispilze befallen und abgebaut werden, wenn sie diesen Bedingungen ausreichend lange ausgesetzt sind. Für die Planung dauerhafter Konstruktionen ist es daher entscheidend, physikalische Randbedingungen sicherzustellen, unter denen kein Fäulnisrisiko besteht.
Die bisherige Bewertung basiert häufig auf stationären Grenzwerten, wie 20 M.-% Holzfeuchte für Holz bzw. 18 M.-% für Holzwerkstoffe nach DIN 68800 oder den temperaturabhängigen Grenzkurven nach WTA 6-8. Diese Ansätze bieten zwar hohe Sicherheit, führen aber zu konservativen Bewertungen. Zudem berücksichtigen sie nicht die Einwirkdauer von Feuchtebelastungen. Kurzzeitige Überschreitung dieser Grenze können dadurch bereits als „Versagen“ bewertet werden, obwohl tatsächlich noch kein Fäulnisrisiko besteht.
WUFI® Decay schließt diese Lücke, indem neben Temperatur und Feuchte auch die Einwirkdauer sowie die materialspezifische Fäulnisbeständigkeit* berücksichtigt werden. Das Modell basiert auf der bewährten Methodik des Schimmelpilzprognosemodells WUFI® Bio und wurde für die Bewertung von Fäulnispilze weiterentwickelt. Es ermöglicht damit eine realitätsnähere Bewertung des Fäulnisrisikos auf Basis hygrothermischer Simulationen.
* Information über die Fäulnisbeständigkeit von Holzwerkstoffe und Naturfaserdämmstoffe
Während für Massivholz bereits umfangreiche Erkenntnisse zu den kritischen Bedingungen für Holzfäule vorliegen, fehlten bisher entsprechende Bewertungsgrundlagen für Naturfaserdämmstoffe und viele Holzwerkstoffe. Basierend auf gesammelten Kenntnissen aus mehrerer Forschungsprojekte wurden daher neue Prüfverfahren entwickelt, mit denen die materialspezifische Fäulnisbeständigkeit dieser Materialien bestimmt werden kann. Die ermittelten Kennwerte lassen sich in WUFI® Decay integrieren und ermöglichen so eine materialgerechte und realitätsnahe Prognose des Fäulnisrisikos auch für Naturfaserdämmstoffe und Holzwerkstoffe.
Die Grundlagen des Modells und Validierung sind beschrieben in:
[1] IBK, IBP & BTU: Energetisches Bewertungsverfahren für Bestandsgebäude mit Holzbalkendecken. PTJ- Projekt 0329663N/P/O, 2016. [2] Bludau, Ch., Künzel, H.M., Marra, E., Tanaka, E., Zirkelbach, D., Hirsch, H., Heyn, R., Grunewald, J., Petzold; H.: Erarbeitung wissenschaftlich begründeter Bewertungskriterien und Implementierung eines Nachweisverfahrens für die schadenfreie energetische Bestandssanierung und Neubauplanung (NaVe). Forschungsbericht EnOB: Energieoptimierte Gebäude und Quartiere – dezentrale und solare Energieversorgung Auftrag des Bundesministe-riums für Wirtschaft und Energie (BMWi), Förderkennzeichen: 03ET1649 A/B, 2023. Download [3] Zirkelbach, D., Schöner, T., Tanaka, E., Sonntag, H., Ruisinger, U., Conrad, C., Stöcker, E., De Mets , T., Vanhellemont, Y., Deltour, J., Rehm, M.: IN2EuroBuild – Einheitlicher europäischer Leitfaden für die Innendämmung von Bestandsbauten und Baudenkmälern. Projektbericht, IGF-Forschungsvorhaben CORNET 247 EBG (2022). Download [4] Zirkelbach, D., Tieben, J., Tanaka, E., Pfabigan N., Andresen, N.; Bachinger, J., Nusser, B.: Bauteile mit Dämmmaterial aus nachwachsenden Rohstoffen: Fokus (Hygro-)Thermik (ThermNat). Projektbericht, IGF-Forschungsvorhaben CORNET 271 EN (2023). Download [5] Zirkelbach, D., Tanaka, E.: Transient prediction of the decay risk of wooden load bearing structures. Proceedings International Conference on Moisture in Buildings (ICMB25), UM Guimarães 23-24 Oct 2025. Download [6] Sedlbauer, K.: Vorhersage von Schimmelpilzbildung auf und in Bauteilen.Dissertation Universität Stuttgart 2001.
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